Deutsche Automobilindustrie setzt in China auf Elektromobilität und Digitalisierung

Statement von Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich der VDA-Pressekonferenz auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand, Auto Shanghai, am Dienstag, 16.04.2019, 14.00 Uhr (local time)

Ich begrüße Sie sehr herzlich zur VDA-Pressekonferenz auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand auf der Auto Shanghai 2019. Der Gemeinschaftsstand umfasst 17 deutsche mittelständische Zulieferer. Hinzu kommen neben den deutschen Herstellern auch etliche große Zulieferunternehmen aus Deutschland mit einem eigenen Ausstellungsstand hier in Shanghai. Deutschland bietet damit eine spannende Gesamtschau der automobilen Wertschöpfungskette. Die große Kompetenz und starke Innovationskraft der deutschen Hersteller prägen – gemeinsam mit den deutschen Zulieferunternehmen – diese Messe. Mehr denn je setzen unsere Unternehmen auf Elektromobilität und Digitalisierung, vor allem hier in China!

Der gemeinsame Auftritt der Zulieferunternehmen wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt. Wir danken dem AUMA (Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft) und der Messegesellschaft IMAG für die erneut hervorragende Kooperation.

Die deutsche Automobilindustrie hat im vergangenen Jahr 16,4 Mio. Pkw weltweit produziert, davon 11,2 Mio. an ausländischen Standorten. Insgesamt trägt rund jedes fünfte Auto, das 2018 weltweit gebaut wurde, ein deutsches Konzernmarkenzeichen.

Deutsche Automobilindustrie steigerte 2018 Produktion, Absatz und Marktanteil in China

China ist für die deutsche Automobilindustrie ein sehr wichtiger Partner – bei Entwicklung, Produktion, Absatz und Kooperationen.

Die deutschen Hersteller haben die Zahl ihrer Fertigungsstätten in China seit Beginn des Jahrzehnts fast vervierfacht – von acht auf rund 30 Fabriken.

Gegenüber dem Jahr 2010 hat sich der chinesische Pkw-Markt mehr als verdoppelt – von 11,3 Mio. Pkw auf rund 23,3 Mio. Pkw in 2018. Zwar lag der Absatz 2018 erstmals leicht unter dem Vorjahresvolumen (-4 Prozent). Doch wir gehen davon aus, dass der chinesische Pkw-Markt mittelfristig wieder wachsen wird, das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.

In diesem Jahrzehnt konnten die deutschen Hersteller das hohe Wachstumstempo mitgehen: Ihr Pkw-Absatz in China stieg von knapp 2 Mio. (2010) auf gut 5,2 Mio. Pkw im vergangenen Jahr. Gegenüber 2017 ist das ein Plus von 7 Prozent. Wir sind also 2018 gegen den Trend gewachsen. Unser Marktanteil erreichte den Rekordwert von 22,4 Prozent. Mehr als jeder fünfte verkaufte Neuwagen in China kommt von einer deutschen Marke. Auch in das laufende Jahr sind wir gut gestartet, aktuell liegt unser Marktanteil bei 23,6 Prozent.

Derzeit hat die chinesische Automobilkonjunktur zwar einen Gang zurückgeschaltet, in den ersten zwei Monaten verringerte sich der Neuwagenabsatz um 17 Prozent auf 3,2 Mio. Pkw. Doch es wäre verkehrt, dies linear fortzuschreiben. Der chinesische Markt ist viel volatiler als etwa der europäische Pkw-Markt. Unter der Annahme, dass die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China konstruktiv gelöst werden können, rechnen wir mit einer stabilen Entwicklung im Gesamtjahr.

Die gute Position der deutschen Automobilindustrie in China hängt auch damit zusammen, dass unsere Autos für China zum größten Teil in China gebaut werden: Die Pkw-Fertigung unserer Mitgliedsunternehmen in China hat sich seit 2010 nahezu verdreifacht – von 1,8 Mio. auf gut 5,1 Mio. Autos in 2018. Gegenüber dem Vorjahr (2017) konnte die Produktion um 5 Prozent gesteigert werden.

Wir begrüßen die Lockerung der bisherigen Joint-Venture-Vorgaben, für den Pkw-Bereich gilt sie ab 2022.

Die hohe Vor-Ort-Fertigung korrespondiert mit der vergleichsweise niedrigen Exportzahl aus Deutschland nach China: 2018 waren dies 287.300 Pkw.

Umgekehrt erhöhte sich der Importwert von Teilen und Komponenten aus China nach Deutschland 2018 um 15 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro.

Handelspolitische Aufgabe: Gegenseitiger Marktzugang für Produkte und Investitionen

Sowohl für Deutschland und die EU als auch für China sind internationaler Handel und grenzüberschreitende Investitionen wesentliche Grundlagen für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung. Gerade in Zeiten von Unsicherheit und zunehmendem Protektionismus ist es wichtig, an der Welthandelsordnung und regelbasiertem Handel festzuhalten.

Wir unterstützen die Bemühungen der EU, die WTO zu reformieren und zu stärken. China spielt innerhalb der WTO eine sehr wichtige Rolle. Seit dem WTO-Beitritt Chinas im Jahr 2001 hat sich die Wirtschaftskraft dieses Landes stark erhöht, das gilt auch für den Handel. China öffnet sich kontinuierlich weiter gegenüber der Weltwirtschaft. Diesen Prozess unterstützen wir. Dabei setzen wir auf gegenseitigen Marktzugang für Waren und Investitionen, auf enge Zusammenarbeit in der WTO und auf erfolgreiche Verhandlungen mit der Europäischen Union für ein bilaterales Investitionsabkommen.

Der Handelsstreit zwischen China und den USA hat auch negative Auswirkungen auf die deutsche Automobilindustrie. Wir sind der größte Autoexporteur aus den USA. Mehr als jedes zweite der rund 750.000 Autos, die wir in den USA produzieren, geht in den Export.

2017 haben die deutschen Hersteller rund 150.000 Fahrzeuge aus US-Produktion nach China exportiert. Das ist jeder fünfte in den USA hergestellte deutsche Neuwagen. Bedingt durch den Handelskonflikt wurden 2018 nur noch 95.000 Neuwagen deutscher Hersteller aus den USA nach China exportiert (-36 Prozent).

Wir alle wissen: Strafzölle erzeugen stets Gegenreaktionen, damit droht eine „Spirale der Abschottung“. Das darf nicht passieren. Wir setzen daher auf konstruktive Lösungen in allen Handelsstreitigkeiten. Und wir begrüßen es, dass die Zollerhöhungen derzeit ausgesetzt sind, da sowohl die USA als auch China die laufenden Gespräche positiv einstufen. Wir hoffen – im Interesse unserer Unternehmen und der gesamten Weltwirtschaft –, dass die Differenzen möglichst rasch und umfassend ausgeräumt werden können.

Keine Frage: China hat zunehmendes Gewicht und wachsende Bedeutung für Welthandel und Globalisierung. Angesichts der Unsicherheit in vielen Ländern und eines zunehmenden Protektionismus‘ gilt es jetzt, die Chancen zu nutzen, die unsere Partnerschaft mit China für Deutschland und die EU bietet. Dazu zählen auch Kooperationen in den Bereichen „New Mobility“ und „New Energy Vehicles“. Hier setzen wir auf nachhaltige und wettbewerbsneutrale Rahmenbedingungen, die es erlauben, unsere Ziele gemeinsam zu erreichen.

Deutsche Zulieferer verstärken Präsenz in China

Die deutschen Zulieferer haben den Hochlauf der deutschen Pkw-Hersteller von Anfang an unterstützt und ermöglicht. Sie waren frühzeitig vor Ort, alle großen deutschen Zulieferer sind in China aktiv. Gegenwärtig befinden sich 315 Standorte deutscher Zulieferer in China, auch das Thema Industrie 4.0 ist in ausgewählten Produktionsstätten schon realisiert. Gegenüber dem Jahr 2010 (180 Standorte) ist das ein Plus von 75 Prozent. In den letzten Jahren engagieren sich zunehmend auch mittelständische Unternehmen. Zu ihren Kunden zählen, neben den deutschen Marken, auch internationale und chinesische Automobilhersteller. Deutsche Zulieferer haben hier weiter neue Arbeitsplätze geschaffen: Die Zahl ihrer Beschäftigten ist in den vergangenen Jahren deutlich zweistellig gestiegen und hat die 100.000-Marke überschritten.

Folgende Firmen zeigen ihre Produkte und Innovationen hier auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand: Boge Rubber & Plastics Group; Bühler Motor GmbH; Carcoustics International GmbH; Carl Bechem GmbH; Ernst Metal Technologies (Wujiang) Co., Ltd.; Fraenkische Pipe-Systems (Shanghai) Co., Ltd.; Gemo G. Moritz GmbH & Co. KG; Isabellenhuette (Shanghai); Jaeger Poway Automotive Systems (Shenzhen) Ltd.; Kirchhoff Automotive GmbH; Orap GmbH; PWO High-Tech Metal Components (Suzhou) Co., Ltd.; Silver Atena Electronic Systems Engineering GmbH; Singer Tech Research + Development GmbH, Member; Sonderhoff (Suzhou) Sealing Systems Co. Ltd.; Witte-Velbert GmbH & Co. KG; Witzenmann GmbH.

Wir sehen in diesem starken deutschen Auftritt den klaren Wunsch der Unternehmen, ihr Engagement auf diesem weltweit größten Pkw-Markt weiter auszubauen. Und wir unterstützen die Kontakte zwischen der chinesischen und deutschen Automobilindustrie durch unsere CEO/President-Round-Table-Veranstaltungen hier in Shanghai. Die Voraussetzungen für ein noch größeres Engagement unserer Mitgliedsunternehmen, insbesondere der Zulieferer, hier in China sind gut: Diese große Volkswirtschaft bleibt mittelfristig auf Wachstumskurs, und die Produktqualität deutscher Hersteller und Zulieferer ist offensichtlich bei chinesischen Kunden weiterhin sehr begehrt.

China – größter Markt für Elektroautos mit hohem Wachstumstempo

Auch auf dem Feld der Elektromobilität setzt China Zeichen: In keinem anderen Land werden mehr E-Autos neu zugelassen. 2018 waren es rund 1,1 Mio. Fahrzeuge (davon ein Viertel Plug-in-Hybrid/PHEV und drei Viertel rein batterie-elektrisch/BEV), ein Plus von gut 80 Prozent gegenüber Vorjahr. Der Elektroanteil am chinesischen Pkw-Gesamtmarkt beträgt 4,5 Prozent.

Hier liegt ein erhebliches Zukunftspotenzial gerade für die deutsche Automobilindustrie: In den kommenden Jahren bringen deutsche Hersteller zahlreiche Elektromodelle auf den Markt, in vielen Segmenten. Wir sind zuversichtlich, dass wir unseren E-Marktanteil in China (aktuell: 5 Prozent) steigern können. Dazu trägt sicher auch die Liberalisierung des Automobilmarktes bei: Seit 2018 dürfen E-Autos in China auch von Firmen ohne chinesischen Partner produziert werden.

China und Deutschland – Zusammenarbeit im Bereich vernetztes und autonomes Fahren

Auch bei der Digitalisierung sowie dem vernetzten und autonomen Fahren partizipieren wir an der rasanten Entwicklung in China. Die deutsche Automobilindustrie hält knapp die Hälfte der weltweiten Patente in diesem Bereich. Chinesische Kunden sind besonders interessiert an der Digitalisierung. Wir begrüßen es, dass 2018 eine Absichtserklärung zwischen Deutschland und China unterzeichnet wurde, um diese Innovationen gemeinsam voran zu treiben. Megacities sowie die geographische und klimatische Vielfalt in China bieten gute Voraussetzungen, um diese neuen Technologien zur Marktreife zu bringen. Die Kooperation mit chinesischen Partnern wird die Umsetzung beschleunigen.

IAA in Frankfurt transformiert sich wie die gesamte Branche

Die Auto Shanghai zählt zu den spannendsten Automobilmessen im asiatischen Raum. Und ich freue mich, Sie im September auf der IAA in Frankfurt am Main wiederzusehen. Der VDA veranstaltet die IAA und richtet sie neu aus. Die IAA transformiert sich, ebenso wie die Branche selbst. Automobilunternehmen treffen auf neue digitale Player. Die IAA wird interaktiver, vernetzter, digitaler. Trends und Themen werden branchenübergreifend vorgestellt und diskutiert.

Das neue IAA-Programm setzt auf vier Formate: „Conference“, „Experience“, „Exhibition“ und „Career“. Die IAA Conference ist eine Veranstaltungsreihe mit hochrangigen Events auf vier Bühnen. IAA Exhibition heißt die klassische Ausstellung, die die gesamte Wertschöpfungskette abbildet. Die IAA Experience bringt Erlebnisse aufs Gelände, zum Beispiel mit einem Outdoor-Parcours, intensivierten Probefahrten oder einer Kids’ World. Die IAA Career richtet sich an Studierende, Berufseinsteiger und Professionals.

Damit schaffen wir für Aussteller und Besucher neue Angebote und erweitern den Eventcharakter der IAA deutlich. Unser Ziel ist, auf der IAA wie an keinem anderen Ort die Mobilität mit allen Sinnen erlebbar zu machen: Mobilität sehen, fühlen, erfahren und darüber hören.

Auch für China wird die IAA immer attraktiver, dieses Jahr wird es zudem wieder einen IAA-China Day mit prominenter Teilnahme geben. Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.iaa.de.

Der Deutsche Gemeinschaftsstand ist auch im Internet mit einer eigenen Homepage vertreten, die auch noch nach der Messe die Kontaktaufnahme zu Ausstellern ermöglicht:

https://auto-shanghai.german-pavilion.com/en/german-pavilion/

Quelle: VDA

 

 

 

Diesen Beitrag empfehlen
Plast.tv YouTube
Plast.tv Vimeo