Betriebsrat fordert Einhaltung von Zusagen zur Elektrifizierung

  • Zukünftige Werkbelegung bei Audi weiter unklar
  • Betriebsrat Alexander Reinhart: „Das Werk Neckarsulm muss am Aufbruch in die Elektromobilität teilhaben“
  • Personalvorstand Wendelin Göbel: „Wollen gemeinsam mit Betriebsrat bei Audi.Zukunft bestes Ergebnis für alle Audianer finden“
  • TE-Chef Hans-Joachim Rothenpieler: „Bringen bis 2025 rund 30 elektrifizierte Modelle auf den Markt, darunter 20 rein elektrische“

Alexander Reinhart fand auf der Betriebsversammlung deutliche Worte zur aktuellen Situation im Unternehmen. Dem Betriebsrat fehle es weiterhin an verlässlichen Plänen zur Zukunftssicherheit des Werks Neckarsulm. Die Elektrifizierung des Standorts sei bereits vor zwei Jahren vereinbart worden. Doch die Verbindlichkeit von Zusagen habe zuletzt stark gelitten.

„Wir Audianer wollen uns aufeinander verlassen können. Das müssen wir auch, denn die Branche steht vor einem nie dagewesenen Wandel, den wir nur gemeinsam schaffen“, betonte Betriebsrat Alexander Reinhart vor rund 3.000 Beschäftigten. Betriebsrat und Belegschaft fordern seit Monaten eine klare Perspektive für das Werk Neckarsulm. Im Kern geht es um eine Verbesserung der anhaltend schlechten Auslastung, zukunftsträchtige Technikprojekte und die Einrüstung von zukunftsfähigen Fahrzeugen.

Der ersehnte Aufbruch lässt jedoch auf sich warten. Die Werkbelegung der nächsten Jahre ist weiterhin unklar. Gemachte Zusagen des Vorstands stehen auf dem Prüfstand: „Sie haben Neckarsulm zwei volumenstarke E-Modelle und eine Batteriemontage zugesichert. Halten Sie ihr Wort und nehmen Sie die rund 17.000 Menschen am Standort von Beginn an mit in die Elektromobilität“, forderte Alexander Reinhart unter viel Applaus.

Ein mögliches Szenario, in dem Neckarsulm bis weit in das nächste Jahrzehnt nur Verbrenner fertigen soll, kritisiert der Betriebsrat scharf. Mit Blick auf bevorstehende Umbrüche in der Branche sei eine solche Werkbelegung zu einseitig und unsicher. Vielmehr müsse Audi seine Standorte breit aufstellen, um auf Veränderungen im Markt flexibel reagieren zu können: „Weil wir in eine ungewisse Zukunft des Automobils blicken, müssen die Chancen und Risiken heutiger und neuer Antriebsarten fair verteilt werden“, betonte Reinhart den Anspruch des Betriebsrats.

Mit Blick auf die Verhandlungen zu „Audi.Zukunft“ plädierte Personalvorstand Wendelin Göbel für ein Miteinander von Betriebsrat und Unternehmensleitung: „Lassen Sie uns gemeinsam das beste Ergebnis für alle Audianer finden.“ Das Interesse des Vorstands sei es, mit Audi.Zukunft nachhaltig und schnell zu Einigungen zu kommen, die im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind.
An einem Punkt sorgte Göbel für Zuversicht im Neckarsulmer Team: „Sicher ist,
wir wollen in Zukunft Elektro-Fahrzeuge an beide deutschen Standorte bringen.“

Entwicklungsvorstand Hans-Joachim Rothenpieler gab in seiner Rede einen Ausblick, woran die Audi-Ingenieure gerade forschen und was sie entwickeln: Das Elektroauto sei im Hinblick auf die kommenden Jahre zweifelsohne das beste Konzept unter den gegebenen Voraussetzungen. „Bis 2025 bringen wir rund 30 elektrifizierte Modelle auf den Markt, darunter 20 rein elektrische Modelle. Ab dem Jahr 2020 fährt der Audi e-tron GT, das erste E-Auto, das wir an einem deutschen Standort produzieren, in den Böllinger Höfen vom Band. Auch die Brennstoffzelle hat großes Zukunfts­potenzial“, so der TE-Chef. Rothenpieler hob die besondere Stärke des Standorts Neckarsulm hervor: „Wir beschäftigen uns im Kompetenzzentrum Wasserstoff hier in Neckarsulm mit der Brennstoffzelle und damit mit der Mobilität von übermorgen. Und wir planen eine Kleinserie – gefertigt in Neckarsulm.“

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