Eine Werksschließung mit Zukunft: Cleantech Innovation Park nimmt Form an

Es ist ein Meilenstein für die Revitalisierung des ehemaligen Michelin Geländes in Hallstadt – und für die Transformation der gesamten Automobilzuliefererindustrie in Nordbayern: Dort, wo Michelin Ende 2020 den letzten Reifen produzierte, entsteht nun mit dem Cleantech Innovation Park ein Inkubator für Zukunftstechnologien. Erste Verbundprojekte aus den Bereichen KI und Digitalisierung, Ressourceneffizienz in der Produktion sowie Clean Energy im Mobilitätsbereich (Wasserstoff und Elektromobilität) sind bereits in Planung. Zur feierlichen Grundsteinlegung des Innovationszentrums begrüßten die Gesellschafter der Cleantech Innovation Park GmbH unter anderem Florent Menegaux, CEO der Michelin Gruppe, Maria Röttger, President und CEO Michelin Europa Nord sowie Hubert Aiwanger, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.

„Als wir unser Reifenwerk Ende 2020 schließen mussten, war klar: Wir wollen hier in Hallstadt einen fruchtbaren Boden für zukunftsgerichtete Projekte hinterlassen“, sagt Maria Röttger. In den kommenden Jahren soll hier ein Leuchtturmprojekt für die Transformation der Automobilzuliefererindustrie entstehen – mit Strahlkraft weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus. „Es ist Tradition bei Michelin, dass wir uns den Regionen, in denen wir aktiv sind, verpflichtet fühlen. Unsere Verantwortung endet allerdings nicht, wenn wir ein Werk schließen. Der Cleantech Innovation Park bietet kommenden Generationen neue Chancen, schafft Arbeitsplätze und stärkt das Gütesiegel ,Made in Germany‘: ein Siegel, das wir dringend schärfen oder sogar neu erfinden müssen, um am Standort Deutschland auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben“, so Röttger.

Vorbild Dundee: Michelin Scotland Innovation Park
Auch in Dundee (Schottland) schlug Michelin nach der Schließung seines Werks einen ähnlichen Weg ein. Die Transformation des ehemaligen Produktionsstandorts gilt in Großbritannien mittlerweile als Musterbeispiel für eine nachhaltige Revitalisierung von Industriestandorten. Knapp 850 Mitarbeitende hatten hier jahrzehntelang erfolgreich Reifen produziert. Strukturelle Veränderungen auf dem europäischen Reifenmarkt ließen Michelin allerdings keine andere Wahl, als das Werk zu schließen. Heute ist der Turnaround geschafft: Auf dem 32 Hektar großen Gelände des Michelin Scotland Innovation Parc (MSIP) sind mittlerweile zehn Unternehmen aktiv. Sie eint, dass sie mit ihren Lösungen Zukunft schreiben wollen – und zwar eine Zukunft, die in erster Linie auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Spezialisten für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien haben sich hier genauso angesiedelt wie Unternehmen, die an innovativen Batteriespeicher-Lösungen forschen. Dass die ganze Region von Dundee profitiert, zeigt unter anderem ein Blick auf die Zahlen: Bis zum heutigen Tag wurden rund 120 neue Arbeitsplätze im MSIP geschaffen – insgesamt sind derzeit 791 Arbeitsplätze geplant.

Ein Konzept von Nutzern für Nutzer
„Der Cleantech Innovation Park richtet sich eng an den Bedürfnissen der Nutzer in der Region aus“, so Röttger. Das sind in erster Linie Unternehmen unterschiedlicher Größe, die in gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten Zukunftstechnologien entwickeln und marktfähig machen wollen. Zur Unterstützung finden sie im Cleantech Innovation Park ein starkes Netzwerk an kompetenten Partnern aus Wissenschaft und Forschung. Bereits heute zählen beispielsweise verschiedene Fraunhofer Institute, die Universität Bamberg, die Universität Bayreuth und die Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen zu den wichtigsten Partnern und zu den Treibern künftiger Verbundprojekte mit großer Praxisnähe. Das Innovationszentrum – das Herzstück des Cleantech Innovation Park – bietet ihnen dafür beste Bedingungen. Die 8.000 Quadratmeter in insgesamt sechs Werkshallen sind flexibel nutzbar. Rund 20 Millionen Euro fließen in das erste große Bauprojekt auf dem Gelände des Cleantech Innovation Park, dessen Finanzierung von den drei Gesellschaftern des Parks getragen wird: Michelin, der Stadt Hallstadt sowie dem Landkreis Bamberg. Ende 2023 soll das Innovationszentrum in Betrieb gehen und auch die Planungen für den Bau eines Kreativ-Forums, inklusive der Förderantragsstellung, laufen bereits. Mit diesem Forum wird ein Ort des Austauschs, der Begegnung und des Wissenstransfers geschaffen.

„Für die Region Nordbayern ist es von entscheidender Bedeutung, dass künftig quasi vor der Haustür an innovativen Technologien geforscht und gearbeitet wird“, ist Maria Röttger überzeugt. „Umso mehr freut es mich, dass wir mit der Grundsteinlegung für das Innovationszentrum einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft der Automobilregion Nordbayern gemacht haben.“