Enorme Veränderungen im deutschen Automobilmarkt: die Chance für Neueinsteiger?


Teilt man die Neuzulassungen im deutschen PkwMarkt auf zwischen den deutschen Herstellern
einerseits und den ausländischen Importeuren andererseits, scheint sich derzeit nicht allzu viel zu
verändern. Mit aktuell 42 Prozent liegt der Anteil der Importeure genauso hoch wie im vergangenen
Jahr und auch nur einen Prozentpunkt höher als 2020. Der genauere Blick zeigt dann aber doch, dass
einiges in Bewegung geraten ist. Nicht zuletzt aufgrund einiger Neueinsteiger, deren Performance und
Erfolgsaussichten wir heute näher beleuchten wollen.

Neue Marken aus China: gelingt der Einstieg dieses Mal?
Sieht man einmal von SEATs sportliche Marke CUPRA und Hyundai ́s Premiumableger Genesis ab,
handelt es sich bei den jüngsten Neueinsteigern ausschließlich um chinesische Marken. Deren
frühere Versuche, den europäischen und deutschen Markt zu erobern, waren alles andere als
erfolgreich, wenn man zum Beispiel an Landwind, Brilliance, Qoros, Borgward oder Byton denkt. Aber
die Zeiten haben sich geändert.

Aufgrund der geringen Verfügbarkeit der Fahrzeuge spielt Aiways dabei im bisherigen Jahresverlauf
noch keine große Rolle. Die nun bald bevorstehende Einführung der zweiten Baureihe, dem SUV
Coupé U6, wird hier sicher neuen Schwung generieren.

Auf einem deutlich höheren Niveau befinden sich heute hingegen bereits MG, Polestar sowie
Lynk & Co.

Dabei konnte Polestar in den ersten zehn Monaten des Jahres die Neuzulassungen um 131 Prozent
steigern, MG sein Volumen fast verfünffachen. Lynk & Co. gelang ein Wachstum fast um den Faktor
neun.

Neueinsteiger schon auf beachtlichem Niveau und weiterwachsend
Skeptiker mögen beim Blick auf die Skalierung der Grafik monieren, dass wir hier ja von immer noch
sehr geringen Stückzahlen sprechen. Doch das kommt auf die Perspektive an. Natürlich sind die
Mengen, gemessen an etablierten Wettbewerbern, gering, aber die Top20 Marken sind sicher auch
kein geeigneter Vergleichsmaßstab. Man muss aber eben auch konstatieren, dass MG mit ziemlich
genau 9.500 Neuzulassungen bis Ende Oktober beispielsweise vor Smart und Honda rangiert.
Polestar und Lynk & Co. liegen inzwischen vor schon seit langer Zeit im Markt befindlichen
Importeuren wie beispielsweise Subaru, Alfa Romeo, Jaguar, DS oder Lexus. Und das mit jeweils nur
einem einzigen Modell, nämlich Polestar 2 bzw. Lynk & Co. 01.

Während es sich beim Polestar 2 um ein vollelektrisches Modell handelt, ist der Lynk & Co. 01
hauptsächlich als PlugIn Hybrid erhältlich. Der VollHybrid ohne Stecker spielt mit einem Anteil von
lediglich sechs Prozent keine wesentliche Rolle.

Bei MG sieht das Bild etwas differenzierter aus. Aktuell besteht das Produktportfolio in Deutschland
bereits aus fünf Baureihen. Das klar volumenstärkste Modell, der SUV HS, verfügt über einen PlugIn
Hybrid. Der etwas kleinere ZS ist sowohl als Benziner als auch in einer reinen Elektroversion zu
haben, wobei letztgenannter klar die Nase vorn hat. Unmittelbar dahinter folgt mit dem MG5 ein
Modell, welches auch für Flottenkunden sehr interessant ist. Obwohl erst seit Ende März auf dem
Markt, ist der 5 kumuliert bis Ende Oktober schon die Nummer 1 bei MGs Flottenzulassungen.

Das liegt sicher auch an seiner Praktikabilität, denn wir sprechen hier über den allerersten und bislang
auch einzigen ElektroKombi.

Die Beispiele und deren im September sowie Oktober enorm ansteigenden Neuzulassungen zeigen,
dass die Aussichten der Neueinsteiger wahrscheinlich noch nie so gut standen wie jetzt, dauerhaft im
deutschen PkwMarkt Fuß zu fassen. Hierzu trägt sicher der Trend zu EVs bei, aber auch, dass sich
die etablierten Wettbewerber mehr und mehr aus preisgünstigeren Fahrzeugsegmenten
verabschieden und somit Lücken offenlassen.